Veranstaltungskalender
Online-Vortrag zur Entwicklung der Geschlechtersensiblen Medizin
"Von Hexengeflüster, Venuslippen und der Roten Zora. Zur Entwicklung der Gendermedizin aus der Frauengesundheitsbewegung"
So betitelt J.-Prof. Dr. Barbara Wittmann, Kulturanthropologin aus Bamberg, ihren Vortrag, in welchem Sie die Ursprünge der geschlechtersensiblen Medizin nachzeichnet. Diese liegen auch in der internationalen Frauengesundheitsbewegung seit den 1970er Jahren, die vor allem den androzentrischen Maßstab in der Medizin in Frage gestellt hat. In sogenannten Frauengesundheitszentren wurden urbane Austauschräume etabliert und Aufklärungskampagnen mit dem Ziel gestartet, hierarchische Arzt-Patientinnen-Beziehungen aufzubrechen und zu verändern. Auf der Basis von Oral History-Interviews und Archivrecherchen zur Entwicklung gendermedizinischer Perspektiven im deutschsprachigen Raum beschreibt sie diese historischen Ursprünge bis hin zum aktuellen Stand. Denn obwohl die geschlechtersensible Medizin, umgangssprachlich auch Gendermedizin genannt, seit einigen Jahren zunehmende öffentliche Aufmerksamkeit und eine breite mediale Berichterstattung erfährt und es so scheint, als seien geschlechtersensible Zugänge mittlerweile medizinisch etabliert, ist das Gegenteil der Fall. Schaut man genauer auf medizinische Institutionen und Forschungseinrichtungen, erkennt man, dass die Verankerung der geschlechtersensiblen Medizin in Wissenschaft, Lehre und Praxis noch kaum erfolgt ist: Die Zahl der Professuren für geschlechtersensible Medizin in Deutschland lässt sich an einer Hand abzählen und verschiedene Studien stellen die Vermittlung entsprechender Inhalte im Medizinstudium als unzureichend bis kaum vorhanden heraus.
Die Veranstaltung findet am 20. April von 18:15-19:45 Uhr via zoom statt. Die Einwahldaten erhalten Sie unter: hkw(at)uni-goettingen.de.